Michaelskirche - Leuchtenbergdenkmal

Sehenswert ist im Inneren der Kirche unter anderem das »Leuchtenbergdenkmal« (im vorderen Bereich der Kirche links), das Auguste Amalia (1788-1851), eine Tochter von Bayerns erstem König Max I., 1830 ihrem Gatten Eugène de Beauharnais (1781-1824) errichten ließ. Auguste war eine Tochter aus der ersten Ehe von Maximilian Joseph.

Ende 1805, Anfang 1806 geriet die bayerische Prinzessin mit ihrem höchst persönlichen Schicksal in die Mühlen der Weltpolitik.

Am 2. Dezember 1805 hatte Napoleon das vereinigte russisch-englisch-österreichische Heer in der sogenannten Dreikaiserschlacht bei Austerlitz (heute Slavkov bei Brünn in Tschechien) völlig besiegt und damit den 3. Koalitionskrieg beendet. Das vollständig erschöpfte Österreich musste am 26. Dezember in Preßburg (heute Bratislava in der Slowakei) einen demütigenden Frieden mit Frankreich schließen. Den Vertrag unterzeichneten Johann I. Josef von Liechtenstein und Ignatz Graf von Gyulai für Österreich sowie Charles-Maurice de Talleyrand für Frankreich, tags darauf ratifizierte ihn Napoleon in Wien auf Schloss Schönbrunn.

Österreich musste darin die Grafschaft Tirol (selbstverständlich einschließlich Südtirol) und Vorarlberg an das mit Napoleon verbündete Kurfürstentum Bayern, den Breisgau an Baden abtreten. Die Freie Reichsstadt Augsburg und der nordöstliche Teil des ehemaligen Hochstift Passau fielen ebenfalls an Bayern. Das vormalige Erzbistum Salzburg, welches erst 1803 säkularisiert und zu einem Kurfürstentum aufgestiegen war, sowie Berchtesgaden kamen im Ausgleich an Österreich. Zudem musste Kaiser Franz I. Napoléon als Kaiser, sowie die Rangerhöhung der bisherigen Kurfürsten von Bayern und Württemberg zu Königen und die volle Souveränität der neuen Könige anerkennen. Damit hatte das Amt des Römisch-deutschen Kaisers endgültig seinen Sinn verloren, das Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation und seiner rund 1000-jährigen Geschichte war gekommen.

Mitten hinein in diese dramatischen Geschehnisse, die Europa tiefgreifend veränderten, platzte am zweiten Weihnachtstag ein Brief aus Schönbrunn in die bayerische Residenz: Napoleon hielt darin für seinen Stiefsohn Eugène de Beauharnais um die Hand der bayerischen Prinzessin Auguste Amalie an.

Doch die war bereits mit Karl Ludwig Friedrich, dem Erbgroßherzog von Baden verlobt und weigerte sich mit Zähnen und Klauen. Vergeblich - denn die Verbindung der schönen jungen Prinzessin mit dem kaiserlichen Stiefsohn, seit dem Sommer zum Vizekönig von Italien erhoben, gehörte schlicht zu dem Preis, den Bayern für seine Erhebung zum Königreich an den Korsen zu leisten hatte.

Auch Eugène de Beauharnais, ein Sohn von Napoleons Frau Joséphine aus erster Ehe, kannte Auguste Amalie nicht. Napoleon hatte ihm eine Tasse aus Nymphenburger Porzellan mit dem Bildnis der schönen Prinzessin geschickt - mit dem Befehl, diese Schönheit unverzüglich zu heiraten.

In ihrem Protest gegen die Zwangsheirat hatte Auguste die Unterstützung ihrer Stiefmutter Karoline, der evangelischen zweiten Frau des bayerischen Kurfürsten. Die konnte Napoleon nicht leiden und war antifranzösisch eingestellt. Auguste Amalie fiel regelmäßig und langanhaltend in Ohnmacht - und Karoline wurde gegenüber dem mächtigen Napoleon so deutlich, dass dieser erbost ausrief: »N’oubliez pas, Madame, que le sort de la Bavière est en mes mains! (Vergessen Sie nicht, meine Gnädige, dass das Schicksal Bayerns in meinen Händen liegt!)« Der evangelische Kabinettsprediger von Karoline, Ludwig Friedrich Schmidt, wurde daraufhin beauftragt, die störrische Frau des Kurfürsten zum Einlenken ins Unausweichliche zu bewegen. Es gelang ihm.

München signalisierte schließlich die Zustimmung der Prinzessin, und Maximilian wurde am 1. Januar 1806 zum König von Bayern proklamiert. Am 13. Januar unterzeichneten Minister Maximilian von Montgelas und der französische Gesandte die Heiratsabrede, anschließend wurde in der Grünen Galerie der Münchner Residenz die Ziviltrauung vollzogen. Am nächsten Tag fand die kirchliche Trauung statt. Auch Napoleon war zur Hochzeit in München. Er zeigte sich von seiner besten Seite und war ausgelassener Stimmung,

Neun Jahre später war Napoleon am Ende und auch für Eugène, den Vizekönig von Napoleons Gnaden war in Italien kein Bleiben mehr. In Bayern fand das Paar komfortable Versorgung: Eugène de Beauharnais wurde zum bayerischen Herzog von Leuchtenberg und Fürsten von Eichstätt erhoben. Leo von Klenze errichtete am Münchner Odeonsplatz für die Familie das Palais Leuchtenberg (heute Finanzministerium) und baute das Ismaninger Schloss für sie um. Was als Zwangsverheiratung begonnen hatte, hatte sich da wider Erwarten längst schon als äußerst glückliche Verbindung erwiesen. Sieben Kinder gingen aus der Ehe hervor, die sich zur Liebesbeziehung gemausert hatte - darunter eine brasilianische Kaiserin.

Nach dem Tod ihres Mannes gab Auguste Amalie bei Leo von Klenze das Leuchtenberg-Marmorgrabmal in der Michaelskirche in Auftrag. 1830 wurde es vom dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen nach dem Klenze-Entwurf ausgeführt.

 

Internet: www.st-michael-muenchen.de

 

Kurzbeschreibung: 
Das »Leuchtenbergdenkmal« (im vorderen Bereich der Michaelskirche links) ist das Monument einer glücklichen Zwangsverheiratung. Die Geschichte beginnt damit, dass Ende des Jahres 1805, Anfang 1806 eine bayerische Prinzessin mit ihrem höchst persönlichen Schicksal in die Mühlen der Weltpolitik geriet.
Auguste Amalia Ludovika von Bayern (François Gérard, um 1805).
Eugène de Beauharnais, Porträt von Andrea Appiani, um 1800.
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  • 48.139670°, 11.570967°
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