Kreuzkirche Schwabing

»Offen – kritisch – engagiert«, so lautet das Motto, das sich die evangelische Kreuzkirchengemeinde München-Schwabing gegeben hat.

Schwabing – unter den Münchner Stadtvierteln hat dieser Name wohl den meisten Klang. Er lässt an die Zeit denken, als »München leuchtete«, an »Wahnmoching«, Künstler, Kneipen und viel Kultur. Stets lebten hier die unterschiedlichsten Menschen – und viele, die ein wenig »anders« waren. Dies prägt bis heute die evangelische Kreuzkirchengemeinde in Schwabing und ihr Selbstverständnis.

Auch die Geschichte der Kreuzkirchengemeinde ist ein wenig »anders«: In den nur 75 Jahren ihres Bestehens waren nicht weniger als vier »Kreuzkirchen« Zentrum ihres Lebens. An den Anfängen der Ausgründung von St. Markus in der Maxvorstadt – in der jungen Geschichte der Münchner Protestanten war das die zweite Kirchengemeinde – war auch der evangelische Verleger, Hitler-Gegner und Judenretter Albert Lempp beteiligt.

Am 2. Advent 1930 feierte man in der kleinen Holzkirche an der Hiltenpergerstraße das erste Mal Gottesdienst. Offizieller Geburtstag der Gemeinde ist der 1. April 1933 – der Tag, an dem die Nationalsozialisten einen reichsweiten »Judenboykott« organisierten und an dem auch in München SA-Männer vor jüdischen Geschäften, Arztpraxen und Kanzleien standen. Zu den Deportierten und Ermordeten des Holocaust gehörten auch viele Schwabinger, Juden und Christen jüdischer Herkunft. In der Nähe der Kirche sollte sich später ein sogenanntes »Judenhaus« befinden.

Am 13. Juli 1944 brannten bei einem Bombenangriff die Kirche ab und der Dachstuhl des Pfarrhaus aus. Auch die benachbarte Turnhalle der evangelischen Hermann-Bezzel-Schule wurde zerstört. 1946 kam als Spende eine Militärbaracke aus der Schweiz, die ab dem 2. Advent als provisorische Kirche diente.

Am 16. April 1950 konnte dann die dritte Notkirche eingeweiht werden – geplant von Otto Bartning – entstand sie auf (und zum Teil aus) Trümmern der Turnhalle. Die Schweizer Baracke wanderte weiter ins Flüchtlingslager Karlsfeld.

Am 29. September 1968 wurde schließlich der 1967 begonnene vierte und letzte Kreuzkirchenbau eingeweiht. Der Lochhamer Architekt Theo Steinhauser entwarf nicht nur diese Kirche, sondern begleitete 1980 auch den Bau des Gemeindezentrums einschließlich des Umbaus der alten Bartning-Kirche zum großen Gemeindesaal.

Das große silberne Kreuz, das die Mitte des Kirchenraums bildet, hat der prominente Goldschmied und Künstler Hermann Jünger (1928 - 2005) geschaffen. Gestiftet hat es die Familie Albert Lempps, die sich bis heute der Kreuzkirche verbunden fühlt.

Der wohl prominenteste Konfirmand der Kreuzkirche dürfte übrigens Münchens Oberbürgermeister Christian Ude sein. Ude, der in der Bauerstraße aufgewachsen ist und im heutigen »Albert-Lempp-Saal« konfirmiert wurde, erinnert sich an die Zeit seines Konfirmationsunterrrichts zwar mit Grausen. »Seiner« Kirche ist er dennoch treu geblieben.

Internet: Mehr zur evangelischen Kreuzkirchengemeinde München-Schwabing finden sie unter www.kreuzkirche-muenchen.de.

Kurzbeschreibung: 
Die Kreuzkirche in München Schwabing ist in der kurzen Geschichte der 1933 gegründeten evangelischen Gemeinde bereits der vierte Kirchenbau. Den Anfang machte eine kleine Holzkirche, die bei einem Bombenangriff im Juli 1944 abbrannte. Nach dem Krieg spendeten Schweizer und US-amerikanische Christen eine kleine hölzerne Baracke als Kirche, die zuvor dem Schweizer Militär als Behelfskaserne gedient hatte. Auf dem Fundament der ehemaligen und kriegsbeschädigten Turnhalle der evangelischen Hermann-Bezzel-Schule errichtete dann der »Notkirchen«-Architekt Otto Bartning eine weitere Kreuzkirche, die 1950 eingeweiht wurde. Am 29. September 1968 wurde schließlich der vierte und letzte Kreuzkirchenbau eingeweiht. Der Lochhamer Architekt Theo Steinhauser entwarf nicht nur diese Kirche, sondern begleitete 1980 auch den Bau des Gemeindezentrums einschließlich des Umbaus der alten Bartning-Kirche zum großen Gemeindesaal. Das große silberne Kreuz, das die Mitte des Kirchenraums bildet, hat der prominente Goldschmied und Künstler Hermann Jünger (1928 - 2005) geschaffen. Gestiftet hat es die Familie des evangelischen Verlegers und Hitler-Gegners Albert Lempp, der an der Gründung der Gemeinde beteiligt war.
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