Erlöserkirche

Die Erlöserkirche an der Nordseite der Münchner Freiheit ist nicht die älteste evangelische Kirche in München, aber nach Meinung vieler Münchner (und vor allem der Schwabinger) die schönste. Errichtet wurde der städtebauliche Schlussstein der prächtigen Achse Ludwig- und Leopoldstraße zwischen 1899 und 1901 nach Plänen des aus Schweinfurt stammenden Architekten Theodor Fischer (1862 - 1938).

Es war die Zeit als München leuchtete und die Bohème in Schwabing zu Hause war. Viele Intellektuelle und gut Betuchte zog es in das boomende Viertel. Hier wohnten und arbeiteten Franz Wedekind, Paul Klee, die Gebrüder Heinrich und Thomas Mann, aufregende und gebildete Frauen wie Ricarda Huch und die »Gräfin« Franziska zu Reventlow. Seit 1893 gab es in der Haimhauser Straße 1 einen evangelischen Betraum, der bald zu klein war.

Theodor Fischer

1895 gründeten Schwabings Protestanten einen Kirchbauverein und sicherten sich die Dienste von Theodor Fischer, einem kommenden Architektur-Star seiner Zeit. Fischer hatte in München bei Friedrich von Thiersch (ein Enkel des gleichnamigen protestantischen bayerischen Bildungsreformers) Architektur studiert, von dem in München unter anderem den Justizpalast am Stachus, sowie die Maximilians-, die Cornelius- und die Reichenbachbrücke stammen.

Von dem von Thiersch gelehrten Historismus wendete sich Fischer bald ab und verließ die Hochschule ohne Diplom, um im Büro des Reichstagsarchitekten Paul Wallot in Berlin mitzuarbeiten. Später arbeitete er in München mit Gabriel von Seidl zusammen. 1893 wurde er Vorstand des Münchner Stadterweiterungsreferats, wo er bis 1901 den ersten gesamtstädtischen Bauleitplan aufstellte, die »Staffelbauordnung«, die bis 1980 galt.

Fischers unverwechselbarer Städtebau bezog historisch gewachsene Flurstrukturen bewusst ein und prägt das Stadtbild bis heute. Zusammen mit dem Münchner Schulreformer Georg Kerschensteiner baute er die modernsten Schulhäuser jener Zeit. Zu seinen Werken gehören das Marionettentheater an der Blumenstraße (1900), der Umbau des Augustinerblocks mit dem Polizeipräsidium an der Ettstraße (1908 - 1915) sowie die Prinzregenten-, die Max-Joseph- und die Wittelsbacherbrücke, deren Vorgängerbauten 1899 ein Hochwasser zerstörte.

Vom Feilitzschplatz zur Münchner Freiheit

Nachdem das Baugrundstück erworben war, konnten 1899 die Bauvorbereitungen am nördlichen Ende des Feilitzschplatzes beginnen. (1933 benannten die Nationalsozialisten den Platz in »Danziger Freiheit« um; so sollte an den deutschen Anspruch auf Danzig erinnert werden. 1947 erhielt der Feilitzschplatz dann den heutigen Namen »Münchener Freiheit« in Gedenken an die Widerstandsgruppe »Freiheitsaktion Bayern«, die im April 1945 zur Kapitulation vor den amerikanischen Truppen und zum bewaffneten Aufstand (»Fasanenjagd«) gegen die verbliebenen NS-Einheiten aufrief.)

Am 29. April 1900 (Sonntag Miserikordias Domini) wurde der Grundstein zur Erlöserkirche gelegt – an der Stelle der zukünftigen Kanzel. Die Bildhauerarbeiten (Pfeilerkapitelle) übernahm der renommierte Stuttgarter Ernst Neumeister nach Entwürfen Theodor Fischers. Die Glasgemälde wurden von dem Bamberger Glasmalereibetrieb August Schmidt ausgeführt. Ingesamt belief sich die Bausumme auf runde 200.000 Mark.

Prächtiges Inneres

Der Innenraum mit dem Apsisgemälde von Linda Kögel (1904).

Die Kirche atmet Theodor Fischers ganz eigenen Stil zwischen Historismus und Jugendstil, Ihre Grundform zitiert die der klassischen Basilika. Am Feilitzschplatz ging damals städtische Bebauung in die Vorstadt über. Mit aufgelockerten Baumassen im Stil ländlicher Dorfarchitektur versuchte Fischer, diese stadträumliche Umgebung aufzugreifen. Im Inneren rückte er Kanzel, Altar und Taufstein ins Zentrum der Gemeinde. Zwei weitere Kirchen im Raum München zeigen, wie Fischer seinen Kirchenbau immer weiter in Richtung Moderne entwickelte: die evangelisch-lutherische Christuskirche in Gauting (1921 - 1928) und vor allem die evangelische WaldKirche in Planegg (1925 - 1926), die als Fischers wichtigstes Spätwerk gilt.

Nachdem eine Orgel aus der Werkstatt von Georg Friedrich Steinmeyer mit zwei Manualen installiert worden war (Südempore), fand am 6. Oktober 1901 die Einweihung der neuen Kirche durch Oberkonsistoralrat D. Prinzing statt. Bei dem aus Karlsruhe stammenden Historien- und Genremaler Wilhelm Volz hatten die Schwabinger Protestanten einen Freskenzyklus bestellt. Leider starb der erst 45-jährige Maler (der 1892 ein Gründungsmitglied der Münchner Secession gewesen war) am 7. Juli 1901 plötzlich. Das eindrucksvolle Fresko in der Apsis wurde deshalb erst 1904 vollendet. Das Gemälde mit dem Titel »Das Leben der Gemeinde unter dem Schutz des Erhöhten« stammt von der Malerin Linda Kögel (1861 - 1940) und stellt das Leben eines Christen von der Taufe bis zum Grab dar. Ein Relief, das Christus mit dem Kreuz zeigt, befindet sich im Aufgang zur Empore. Es stammt von dem bedeutenden Bildhauer Adolf von Hildebrand (1847 - 1921).

Die bunte Holzkassettendecke (bemalt von Josef Helich) sorgt für gute Akustik in der für ihre Musiktradition bekannten Kirche, die heute drei Orgeln aufzuweisen hat. Zur Steinmeyer-Orgel auf der Südempore, auf der Max Reger 1902 ein Benefizkonzert zu Gunsten der Kirche gab, kam 1990 auf der Westempore eine Rieger-Orgel, im Jahr 2000 folgte das Truhenpositiv im Altarraum.

1920 wurde bisherige Filialkirche von St. Markus in der Maxvorstadt zur eigenständigen Gemeinde. Bereits 1938 wurde die Kirche das erste Mal renoviert – unter der Ägide des Münchner Architekten German Bestelmeyer übertünchte man im Todesjahr Theodor Fischer (Grab auf dem Münchner Waldfriedhof) dabei die Jugendstilmalereien

Den Krieg überstand die Erlöserkirche verhältnismäßig unbeschadet. Einer Generalsanierung 1975/76 stellte das ursprüngliche Raumbild im Inneren der Kirche weitestgehend wieder her. Auch die Außenrenovierung seit 2007 orientierte sich am Originalzustand der der Theodor-Fischer-Kirche.

 

Evangelisch–lutherische Erlöserkirche
Pfarramt
Germaniastr. 4
80802 München
Telefon (089) 383 77 14 0
E-Mail: pfarramt@erloeserkirche.de

Bürostunden: Montag bis Freitag: 9.00 - 12.00 Uhr, Dienstag und Donnerstag: 14.00 - 16.30 Uhr

http://www.erloeserkirche.de

Kurzbeschreibung: 
Die Erlöserkirche an der Nordseite der Münchner Freiheit ist nicht die älteste evangelische Kirche in München, aber nach Meinung vieler Münchner (und vor allem der Schwabinger) die schönste. Errichtet wurde der städtebauliche Schlussstein der prächtigen Achse Ludwig- und Leopoldstraße zwischen 1899 und 1901 nach Plänen des aus Schweinfurt stammenden Architekten Theodor Fischer (1862 - 1938). Dass Jugendstilkleinod lohnt den Besuch.
Der Innenraum mit dem Apsisgemälde von Linda Kögel.
Südportal der Erlöserkirche an der Münchner Freiheit.
Auch der Taufstein entstand nach einem Entwurf von Theodor Fischer.
»Das Leben der Gemeinde unter dem Schutz des Erhöhten«: das 1904 entstandene Aps
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