Métivier-Synagoge Westenriederstraße

Eine »sprechende Leerstelle« im Stadtbild ist eng mit der Geschichte der Juden in München verbunden: Auf dem Grundstück der Westenriederstraße 10-12 stand einst die erste neu erbaute Synagoge der 1815 gegründeten Israelitischen Kultusgemeinde in München. Voraussetzung für ihren Bau war die seit 1801 schrittweise vollzogene Gleichstellung der Konfessionen in Bayern. Das sogenannte »Judenedikt« vom 10. Juni 1813 sah zwar eine Reihe von rechtlichen Beschränkungen für die Juden in Bayern vor, schuf aber auch eine rechtliche Grundlage für die Bildung von Kultusgemeinden und die Einrichtung von Gotteshäusern und Friedhöfen.

Eingeweiht wurde die Synagoge in der Westenriederstraße 1826, also schon sieben Jahre vor dem ersten protestantischen Kirchenneubau in München. Und anders als bei der evangelischen St. Matthäuskirche in der deutlich zentrumsferner gelegenen Sonnenstraße war Bayern katholischer König Ludwig I., der erst kurz zuvor den Thron bestiegen hatte, bei der Einweihung der Synagoge persönlich anwesend. Ludwigs Vater Max I. Joseph hatte vier Säulen aus Tegernseer Marmor für den Synagogenbau gestiftet.

Gleich nach ihrer Gründung hatte die neue Münchner Israelitische Kultusgemeinde im Februar 1815 den Bau einer Synagoge beschlossen. Auch die Behörden hatten Interesse an dem Projekt, weil dadurch eine bessere Überwachung der jüdischen Gemeinde möglich werden sollte, die sich bis dahin verstreut in verschiedenen Privathaushalten und eigenen - inzwischen allerdings viel zu klein gewordenen - Räumlichkeiten im Tal 13 getroffen hatte. Die Gemeinde favorisierte einen zentralen Standort, seitens der Stadt wünschte man einen Platz weiter außerhalb. Nachdem verschiedene Bauplätze erwogen worden waren, erzwangen die Behörden unter Androhung von Strafen schließlich den Bau an der damals noch nicht zentral gelegenen Theaterstraße, die 1848 in Westenriederstraße umbenannt wurde. Die Gemeinde erwarb das Grundstück im Jahr 1822, zwei Jahre später war feierliche Grundsteinlegung.

Mit dem Entwurf der Synagoge war Jean Baptiste Métivier betraut worden, seit 1824 war er königlicher Baurat. Das Baugrundstück lag in der bestehenden, in Ost-West-Richtung verlaufenden Häuserzeile. Da bei Synagogen der Thoraschrein grundsätzlich an der nach Jerusalem gelegenen Seite liegen muss, in diesem Fall also der östlichen, dort und an der Westseite aber Häuser anschlossen, war es unmöglich, den Eingang, wie sonst üblich, dem Thoraschrein gegenüber anzulegen. Métivier baute daher die Eingänge für Männer und Frauen an den beiden Seiten der zur Straße hin gelegen klassizistischen Fassade in jeweils einen kleinen Vorbau. Eine Vorhalle führte in den Tempel. Die Innenausstattung der Synagoge stammte ebenfalls von Métivier - der übrigens auch die Innenausstattung der ersten protestantischen Kirche St. Matthäus schuf.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Synagoge zu klein für die rasch angewachsene Gemeinde, so dass ab Mitte der 1860er Jahre ein Neubau erwogen wurde. Nach der Einweihung der damals neuen Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße im Jahr 1887 wurde das baufällig gewordene Gebäude versteigert und 1889 abgebrochen.

Heute befindet sich an der Stelle der von Métivier erbauten Synagoge eine Baulücke, das Grundstück gehört der Stadt München. Es gibt Überlegungen, an dieser Stelle eine Synagoge für die kleine liberale Münchner Gemeinde Beth Shalom zu errichten.

Kurzbeschreibung: 
Eine »sprechende Leerstelle« im Stadtbild ist eng mit der Geschichte der Juden in München verbunden: Auf dem Grundstück der Westenriederstraße 10-12 stand einst die erste neu erbaute Synagoge der 1815 gegründeten Israelitischen Kultusgemeinde in München. Voraussetzung für ihren Bau war die zwischen 1801 und 1813 vollzogene rechtliche Gleichstellung der Konfessionen in Bayern. Eingeweiht wurde die Synagoge in der Westenriederstraße 1826, also sieben Jahre vor dem ersten protestantischen Kirchenneubau in München. Und anders als bei der evangelischen St. Matthäuskirche in der deutlich zentrumsferner gelegenen Sonnenstraße war Bayern katholischer König Ludwig I., der erst kurz zuvor den Thron bestiegen hatte, bei der Einweihung der Synagoge persönlich anwesend.
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  • 48.134978°, 11.578015°
Adresse
Strasse: 
Westenriederstraße 10-12
PLZ: 
80331
Ort: 
München