Ehemaliger Bierkeller »Kreuzbräu«

Hier, in der Brunnstraße, hat die "Innere Mission" (IMM), das heute größte evangelische Sozialunternehmen in München, ihre Wurzeln - wenigstens zum Teil. Wo sich heute der nördliche Zugang zur Asam-Passage befindet, stand bis zum Zweiten Weltkrieg der "Kreuzbräu", einer der vielen Münchner Bierkeller, deren Säle, Nebenräume und Hinterzimmer Parteien und Vereinen als Versammlungsorte beliebt waren (früher Brunnstraße 7). 

Es war das unruhige Revolutionsjahr 1848, als der "Evangelische Handwerker-Verein München" gegründet wurde. Ob dies im Kreuzbräu geschah, lässt sich nicht mehr sicher feststellen. Im Jahr 1856 fand hier jedenfalls ein beurkundetes Vereinstreffen statt.  Mit der beginnenden industriellen Revolution stellte sich die "soziale Frage" immer mehr. Die Bevölkerung wuchs - in den Städten drängten sich immer mehr Menschen in Armut und Verwahrlosung. Kurz bevor im März 1848 in den deutschen Ländern die Revolution ausbrach, hatten Karl Marx und Friedrich Engels in London das "Kommunistische Manifest" veröffentlicht. Die kirchliche Antwort auf die soziale Frage lautete nicht Revolution, sondern "Innere Mission".

Als ein Gründungsdatum der modernen evangelischen Diakonie gilt eine Rede des Hamburger Theologen und Pädagogen Johann Hinrich Wichern am 22. September 1848 vor dem evangelischen Kirchentag in Wittenberg. Wichern hatte fast genau 15 Jahre zuvor in Hamburg das "Rauhe Haus" als "zur Rettung verwahrloster und schwer erziehbarer Kinder" gegründet. In einer zweistündigen Stegreifrede stellte er das diakonische Handeln als tätige Liebe in die Mitte kirchlichen Tuns. Seine Rede gipfelte in den Sätzen:
"Meine Freunde, es tut eines Not, dass die evangelische Kirche in ihrer Gesamtheit anerkenne: 'Die Arbeit der Innern Mission ist mein!', dass sie ein großes Siegel auf die Summe dieser Arbeit setze: Die Liebe gehört mir wie der Glaube. Die rettende Liebe muss ihr das große Werkzeug, womit sie die Tatsache des Glaubens erweiset, werden. Diese Liebe muss in der Kirche als die helle Gottesfackel flammen, die kund macht, dass Christus eine Gestalt in seinem Volk gewonnen hat. Wie der ganze Christus im lebendigen Gottesworte sich offenbart, so muss er auch in den Gottestaten sich predigen, und die höchste, reinste, kirchlichste dieser Taten ist die rettende Liebe."

Als Wichern am 3. Juli 1849 in der vollbesetzten Münchner evangelischen Kirche sprach (die St. Matthäuskirche war damals die einzige evangelische), dürften auch viele Mitglieder des neuen Handwerker-Vereins anwesend gewesen sein. Es war die letzte Station einer Reise durch Bayern, auf der der Diakonie-Gründervater für das Anliegen der "Inneren Mission" warb.

Bayerns evangelische Königin Marie Friederike und König Maximilian II. hatten für die neuen kirchlich-sozialen Ideen nicht nur Sympathie, sondern unterstützten sie tatkräftig. Auch weil sie nicht selten Geld aus ihrem Privatvermögen zur Linderung mancher Not locker machte, war die aus Preußen stammende Königin im Volk sehr beliebt. Zu dem übernahm sie viele Schirmherrschaften ("Protektorate"), oft zusammen mit ihrem ebenfalls sozial eingestellten Gemahl. Marie Friederike setzte sich für die Abschaffung der Kinderarbeit ein, sie förderte die Einrichtung von Schulen auf dem Land und von Anstalten der Armen- und Krankenpflege.

Kurzbeschreibung: 
Wo einst Adolf Hitler Reden schwang, hat die Diakonie in München einen Teil ihrer Wurzeln: Heute der nördliche Eingang zum Asamhof, befand sich hier früher der "Kreuzbräu". Wie bei den vielen anderen Bierkellern und Großgaststätten in München waren auch die Säle und Nebenzimmer des "Kreuzbräus" für Veranstaltungen beliebt. Auch die evangelischen Handwerker, die sich 1848 zu einem bis heute bestehenden Verein zusammenschlossen, trafen sich hier.
Kreuzbräu (?)
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  • 48.136130°, 11.568690°
Adresse
Strasse: 
Brunnstr. 7
Ort: 
München
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