Habsburger Platz

Abgesehen von den türkischen Kriegsgefangenen, die Kurfürst Max Emanuel ab 1683 nach Bayern brachte, haben sich die ersten Muslime wohl erst ab dem 19. Jahrhundert dauerhaft in München aufgehalten. Im Westen wenig bekannt, war der in der muslimischen Welt höchst prominente Sir Muhammad Iqbal (1877 - 1938) vorübergehend Münchner. An den Nationaldichter Pakistans erinnert auf dem Habsburger Platz ein Denkmal.

Muhammad Iqbal wurde am 9. November 1877 in Sialkot geboren, in der heutigen pakistanischen Provinz Punjab, die damals noch zu Indien gehörte. Er studierte Rechtswissenschaften und Philosophie unter anderem in Cambridge und Heidelberg bevor er 1907 an der (in der Nähe des Habsburger Platzes befindlichen) Münchner Ludwig-Maximilians-Universität über islamische Mystik promovierte. Seine meisten Werke schrieb der muslimische Dichter und Mystiker indischer Abstammung auf Persisch, andere auf Urdu und Englisch.

Der Universalgelehrte schrieb - beeindruckt von Goethe - 1923 unter dem Titel »Die Botschaft des Ostens« eine Anwort auf den »West-östlichen Diwan« des deutschen Großdichters. Den Unterschied zwischen Orient und Okzident fasste er darin unter anderem so: »Der Ost sah Gott und hat die Welt vergessen / Der West vergaß Gott und hat die Welt ermessen.«

Als Reaktion auf die von ihm in Europa erlebte Säkularisierung und »Gottvergessenheit« forderte nach seiner Rückkehr in seine Heimat eine stärkere Solidarität zwischen den Muslimen, die ihnen ermöglichen sollte, nach Jahren des Verfalls wieder zu geistigem Aufstieg zu gelangen. Iqbal schrieb, dass »die europäische Kultur auf ihrer intellektuellen Seite nichts als eine Fortentwicklung einiger der wichtigsten Phasen der Kultur des Islam ist. Es gab einmal eine Zeit, als das europäische Denken von der Welt des Islam inspiriert wurde.« Doch dann sei die muslimische Welt in einen Dornröschenschlaf gefallen, mit dem Ergebnis dass »das religiöse Denken im Islam während der letzten fünfhundert Jahre praktisch stagnierte«.

Vehement setzte er sich Iqbal – unter anderem 1930 als Präsident der All-India-Muslim League Konferenz – für einen separaten muslimischen Staat Pakistan ein. Muhammad Iqbal starb am 21. April 1938 in Lahore und hat die Gründung des Staates Pakistans 1947 nicht mehr erlebte. Iqbal gilt heute nicht nur als Nationaldichter und als geistiger Vater Pakistans, sondern auch als wichtigster islamischer Philosoph der Neuzeit. Häufig wird er auch Allama Iqbal genannt (vom arabischen Wort »Ulema« für »Wissender« oder »Weiser« abgeleitet).

Die von dem Münchner Bildhauer Karl Oppenrieder aus Kalkstein gehauene Gedenksäule auf dem Habsburger Platz zeigt auf der Vorderseite einen stilisierten Lebensbaum. Die Rückseite zeigt die Mondsichel als Symbol des Islam, die - auf grünem Grund - auch auf der Nationalflagge Pakistans zu sehen ist.

Kurzbeschreibung: 
Sir Muhammad Iqbal (1877 - 1938) gilt nicht nur als Nationaldichter und als geistiger Vater Pakistans, sondern auch als wichtigster islamischer Philosoph der Neuzeit. Für einige bedeutsame Zeit seines Lebens war er Münchner: 1907 promovierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität über islamische Mystik. Auf dem Habsburger Platz erinnert ein Denkmal an den prominenten muslimischen (Teilzeit-) Münchner.
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  • 48.158200°, 11.579960°
Adresse
Strasse: 
Habsburgerplatz
PLZ: 
80801
Ort: 
München