Waldkirche Planegg

Sie ist ein verborgenes Kleinod, das man suchen muss. Doch die Suche lohnt: Versteckt im Wald am westlichen Ortsrand der Würmtalgemeinde Planegg liegt die Waldkirche, die 1925 bis 1928 nach Plänen des Münchner Architekten und Stadtplaners Theodor Fischer (1862 - 1938) errichtet wurde. Mit ihrem charakteristischen Zeltdach, dem abgerückten Kirchturm und dem richtungweisend als Zentralbau gestalteten Gottesdienstraum gilt die Waldkirche als bedeutendstes Spätwerk des Architekten.

Erstmals fand ein evangelischer Gottesdienst in der Würmtalgemeinde Planegg an Weihnachten 1919 im Schulgebäude statt. Kurz darauf wurde ein »Evangelischer Verein Planegg-Krailling« gegründet, der sich mit der Durchführung regelmäßiger Gottesdienste in den beiden Gemeinden sowie der Planung eines eigenen Kirchenbaus beschäftigte. Nach Bildung einer Kirchengemeinde mit 800 Mitgliedern im Jahr 1921 wurde 1923 die Stelle eines Vikars eingerichtet.

Als der bereits 63-jährige Theodor Fischer 1925 den Auftrag zum Neubau einer evangelischen Kirche in Planegg übernahm, erfüllte er sich einen langgehegten Wunsch, Fischer skizziert am Ende seines Lebens den modernen evangelischen Kirchenraum als Zentralbau um den Altar – noch bevor Otto Bartning 1929 in Essen seine richtungweisende Auferstehungskirche schuf: »Eigentlich wollte ich schon lange eine Kirche gestalten, die dem evangelischen Begriff von Kirche entspricht. - Keine Trennung von Geistlichen und Laien. Wenn der Altar der Tisch des Herrn ist, so darf die Gemeinde sich rund um diesen Tisch versammeln, und als eine wahre Tischgemeinschaft auch räumlich zusammengeschlossen sein."

Auf den ersten Blick scheint Fischer den traditionellen kirchlichen Langbau mit einem Zentralbau verknüpft zu haben. Doch der mächtige, campanileartige Turm und der verbindende Langbau bergen Mitarbeiterwohnungen und Gruppenräume. So brachte Fischer Gottesdienst und Gemeindeleben unter ein Dach.

Die Waldkirche von innen

Der Gottesdienstraum ist ein als amphitheatralisch vertiefter, achteckiger Zentralbau angelegt. Der schmucklose Tischaltar steht in der Mitte. Die Kirchenbänke ordnete Fischer so an, dass sie den Altar als zentralen Ort des Sakraments und des Gebets umrahmen. Anders als in den »Omnibuskirchen« des 19. Jahrhunderts sitzt sich die Gemeinde während des Gottesdiensts nun von Angesicht zu Angesicht gegenüber.

Von drei Seiten kann der Besucher den Kirchenraum betreten und jeweils durch den Gang zwischen den Gestühlblöcken über sechs Stufen zum Altar hinabsteigen. Die vierte Seite im Osten ist ganz der Kanzel, sowie auf der Empore darüber dem Trinitätssymbol und der Orgel vorbehalten. Durch diesen zielgerichteten Aufbau gelang es Theodor Fischer die wichtigsten Ausstattungsstücke der Waldkirche symbolhaft zueinander in Beziehung zu setzen: Der Platz im Zentrum zeigt die Bedeutung des Altars als Mitte der Gemeinde. Die Kanzel, Ort der Verkündigung des Wortes Gottes, hat einen leicht erhöhten Platz und stellt die Verbindung her zwischen dem Altar und dem Gekreuzigten, bzw. dem Dreieinigkeitssymbol, das die höchste Stelle einnimmt.

Die Empore

Über dem achteckigen Gottesdienstraum liegt im ersten Stock ringsum an acht Seiten eine hölzerne Empore. Sie wird von schlanken, mit Lärchenholz verkleideten, Stützen getragen, die elf Meter hoch bis unter das Kassettendach reichen. Die Darstellungen auf den Feldern der Emporenbrüstung nehmen ein ungewöhnliches Bildprogramm mit Szenen aus dem Heiligen Land (See Genezareth, Jordan) auf.

Auf der Empore über der Kanzelseite wurde im Jahr 1928 eine Orgel der Firma Steinmeyer eingebaut.

Das zentrale Bildprogramm an der Ostseite

Der teils plastische, teils gemalte Emporenschmuck an der Ostseite bildet den symbolischen Höhepunkt der Kirchenausstattung. Er zeigt das Auge Gottes, die Taube für den Heiligen Geist, den Gekreuzigten, sowie rechts und links davon eine Vielzahl geschnitzter und vergoldeter Engelsköpfe, die zu einem gitterartigen Dreieck wie zu einer Jugendstildekoration angeordnet sind. Je zwei quadratische Emporenbilder begrenzen dieses ungewöhnliche Ensemble. Sie zeigen von links nach rechts in Halbfiguren die vier Evangelisten mit Buch und Feder: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Der Schriftsteller und Maler Ernst Penzoldt () aus Erlangen, der im Würmtal lebte hat sie1926 geschaffen. Unter anderem seine Arbeiten für die Waldkirche trugen ihm in der Zeit des Nationalsozialismus das Prädikat "entartet" ein.

Das bekannteste und erfolgreichste Werk Penzoldts (der auch unter dem Pseudonym Fritz Fliege schrieb) war sein 1929/30 entstandenes Buch "Die Powenzbande. Zoologie einer Familie, gemeinverständlich dargestellt". In einem fiktiven Ort namens Mössel an der Maar arbeitet er in dem Schelmenroman humoristisch deutsches Spießertum und seine Jugend in Erlangen auf (1973 für das Fernsehen verfilmt).

(Fotos: © Siegfried Wameser)

Evangelisch-lutherische Waldkirche Planegg
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www.waldkirche-planegg.de

 

Kurzbeschreibung: 
Sie ist ein verstecktes Kleinod, das man suchen muss. Doch die Suche lohnt: Versteckt im Wald am westlichen Ortsrand der Würmtalgemeinde Planegg liegt die Waldkirche, die 1925 bis 1928 nach Plänen des Münchner Architekten und Stadtplaners Theodor Fischer (1862 - 1938) errichtet wurde. Mit ihrem charakteristischen Zeltdach, dem abgerückten Kirchturm und dem richtungweisend als Zentralbau gestalteten Gottesdienstraum gilt die Waldkirche als bedeutendstes Spätwerk des Architekten.
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