Moschee Freimann

Fast 40 Jahre nach dem ersten Ramadan-Fest in der Freimanner Moschee (am 20. November 1971) gehören Münchens Muslime fester denn je zur Stadtgesellschaft. Trotzdem befinden sie sich immer noch überwiegend am Rand der Stadtgesellschaft: Die Standorte der beiden großen Münchner Moscheen in Freimann hinter dem Müllberg und in Pasing im äußersten Münchner Osten geben davon ein beredtes Zeugnis. Überdies werden seit »9/11« und wegen des weltweit erstarkenden islamischen Fundamentalsmus auch die Münchner Muslime von ihren Nachbarn mit neuer Skepsis beobachtet.

Dabei ist die muslimische Gemeinde Münchens älter als in vielen anderen Orten. Nicht wenige Muslime in den Sowjetrepubliken im Nordkaukasus und Zentralasien hatten auf Hitler gesetzt in der trügerischen Hoffnung, sich so von der Herrschaft Stalins und des Kommunismus befreien zu können. Mindestens 40.000 Männer (nach anderen Angaben über 150.000) dienten in den sogenannten Ostlegionen der Wehrmacht. Meist waren die »Freiwilligen« der »Turkestanischen Legion« (mit Kasachen, Kirgisen, Turkmenen, Uzbeken und Tadschiken), der »Kaukasisch-Mohammedanischen Legion« (später »Aserbaidschanische Legion«) sowie der »Wolgatartarischen Legion« den Deutschen als Kriegsgefangene in die Hände gefallen. Allerdings gab es auch muslimische SS-Verbände wie die Division »Neu-Turkistan« oder die SS-Waffengruppe »Aserbeidschan«.

Bei der Aufstellung der muslimischen Verbände half auch Haji Mohammed Amin al-Husseini (1893 - 1974), der sich Großmufti von Jerusalem nannte und seit 1941 mit Unterstützung der nationalsozialistischen Führung in Berlin lebte. Von dort betrieb er im Nahen Osten Radiopropaganda und versuchte für das nationalsozialistische Deutschland politische und militärische Unterstützung zu organisieren. Die NS-Vernichtungspolitik gegenüber den Judenunterstützte der glühende Antisemit ausdrücklich.

Rund 100 dieser muslimischen »Ostlegionäre« strandeten nach dem Krieg in München. Zusammen mit anderen sogenannten »DPs« (Displaced Persons), die während oder als Folge des Krieges heimatlos geworden waren, siedelte man sie am nördlichen Stadtrand Münchens an - auf dem Gelände eines ehemaligen Außenlagers des KZ Dachau. Dort, in der heute noch existierenden »Siedlung Ludwigsfeld«, wurde 1953 in einer Baracke ein muslimischer Gebetsraum eingerichtet.

In einem Überblick zu ihrer Geschichte vermerkt die Freimanner Moschee für das Jahr 1945: »Die Muslimflüchtlinge in München versammeln sich zu den Festgebeten.« Später wurden diese auch in Mieträumen des Deutschen Museums durchgeführt. 1958 habe der Gedanke, in München eine Moschee zu errichten, festere Formen angenommen. Ein Moscheebauverein wurde gegründet und 1964 das Grundstück in Fröttmaning hinter dem Müllberg erworben.

Der Grundstein wurde am 6. Oktober 1967 gelegt. Münchens erste Moschee war zugleich die siebte in Deutschland. Erst knapp sechs Jahre später, am 24. August 1973, fand die Einweihung der türkisfarbenen, parabelförmigen Schalenkonstruktion mit ihrem 33 Meter hohen Minarett statt. Immer wieder war der Bau nach Plänen von Architekt Osman Edip Gürel und Innenarchitekt Necla Gürel wegen fehlender finanzieller Mittel ins Stocken geraten. Das erste Ramadan-Fest fand am 20. November 1971 in der noch unvollendeten Moschee statt.

Die Baukosten von rund drei Millionen Mark übernahmen vierzehn islamische Staaten, mehr als die Hälfte (1,6 Mio. Mark) spendierte Libyen, wo seit 1969 Revolutionführer Muammar al-Gaddafi regierte. Bauherr und Träger ist die »Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.« (IGD). Der sehenswerte Gebetssaal fasst 450 Personen, davon 100 auf der Frauengalerie.

Während die Pasinger Moschee türkisch geprägt ist, wird die Freimanner Moschee überwiegend von arabischen Muslimen und deutschen Konvertiten frequentiert. Mit über sechs Prozent der Münchner stellen die Muslime die drittgrößte Glaubensgemeinschaft in München nach 43 Prozent Katholiken und 14 Prozent Protestanten. Neben den beiden Hauptmoscheen findet das muslimische religiöse Leben in im Wortsinn »ungezählten« Hinterhof- oder Wohnungsmoscheen: Über 30 sind es, ihre genaue Zahl ist nicht bekannt. Knapp zwei Drittel der rund 80.000 Münchner Muslime haben türkische Wurzeln. Insofern repräsentiert die Freimanner Moschee nicht die breite Mehrheit der in München lebenden Muslime mit türkischem Hintergrund. Freimann war mehrfach in den vergangenen Jahren Ziel polizeilicher Razzien und Ermittlungen wegen vermuteter krimineller Handlungen zugunsten islamistischer Bestrebungen.

 

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Kurzbeschreibung: 
Sie war die erste Moschee in Bayern und die siebte in Deutschland: Im Schatten des ersten Münchner Müllbergs wurde 1967 bis 1973 die Freimanner Moschee mit ihrer markanten Parabelform und dem 33 Meter hohen freistehenden Minarett erbaut. Fast 40 Jahre nach dem ersten Ramadan-Fest in der Moschee gehören Münchens Muslime fest zur Stadtgesellschaft - aber noch immer vor allem am Rand und wegen des weltweit stärker gewordenen Islamismus oft skeptisch beobachtet.
Mihrāb der Freimanner Moschee (Gebetsnische, die die Gebetsrichtung anzeigt).
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